Wer ist eigentlich Naomi Feil?

„Gefühle bleiben – auch wenn Worte sich verändern.“

Hinter diesem Satz steht Naomi Feil, eine Frau, die den Umgang mit alten Menschen mit Demenz weltweit geprägt hat. Geboren wurde sie 1932 in den USA. Ihre Eltern leiteten ein Pflegeheim, und genau dort verbrachte sie einen großen Teil ihrer Kindheit. Sie wuchs inmitten alter Menschen auf, hörte ihre Geschichten, beobachtete ihre Veränderungen und erlebte sehr früh, wie unterschiedlich mit ihnen umgegangen wurde.

Diese Erfahrungen haben sie tief geprägt. Während andere Kinder draußen spielten, bewegte sie sich zwischen Bewohnerinnen und Bewohnern, nahm Stimmungen wahr und entwickelte ein feines Gespür für das, was zwischen den Worten liegt. Sie erlebte Nähe, aber auch Situationen, in denen Menschen übergangen oder nicht verstanden wurden. Genau dort entstand ihr Wunsch, einen anderen Umgang zu finden.

Später studierte sie Sozialarbeit und begann selbst in der Altenarbeit zu arbeiten. In den 1960er- und 1970er-Jahren entwickelte sie Schritt für Schritt ihre Methode weiter. Sie beobachtete, dass viele ältere Menschen mit Demenz sich zurückzogen oder unruhig wurden, wenn ihre Aussagen korrigiert oder infrage gestellt wurden. Gleichzeitig bemerkte sie, dass sich etwas veränderte, wenn jemand auf ihre Gefühle einging.

Aus diesen Beobachtungen entstand die Validation. Ein Ansatz, der heute weltweit bekannt ist und in vielen Einrichtungen angewendet wird. Naomi Feil gründete später auch ein eigenes Institut, um ihr Wissen weiterzugeben und Menschen in dieser Haltung zu schulen.

Ein anderer Blick auf Demenz

Naomi Feil stellte eine andere Frage als viele vor ihr. Sie fragte nicht zuerst, was fehlt. Sie fragte, was da ist.

Wenn eine Frau immer wieder nach ihrer Mutter fragt, zeigt sich darin oft ein Bedürfnis nach Nähe oder Geborgenheit. Wenn jemand unruhig wird, kann sich darin Angst oder innere Spannung zeigen. Wenn Erinnerungen durcheinandergeraten, bleibt dennoch ein Gefühl bestehen, das echt ist.

Validation nimmt genau dieses Gefühl ernst. Es geht darum, die innere Welt eines Menschen anzuerkennen und darauf einzugehen. Worte verlieren an Bedeutung, wenn sie nicht mehr eindeutig sind. Gefühle behalten ihre Klarheit.

Dieser Perspektivwechsel verändert den Umgang spürbar. Gespräche werden ruhiger. Erwartungen werden weicher. Der Druck, etwas richtigstellen zu müssen, tritt in den Hintergrund. Stattdessen entsteht Raum für Begegnung.

Was Validation im Alltag bedeutet

Die Validation nach Naomi Feil ist eine Kommunikationsmethode im Umgang mit Menschen mit Demenz. Validation zeigt sich im Kleinen. In einem Satz, der das Gefühl aufgreift. In einem Moment des Innehaltens. In der Bereitschaft, sich auf die Sicht des anderen einzulassen.

Ein Satz wie „Du vermisst deine Mutter“ kann Nähe schaffen. Ein ruhiger Blick, ein Nicken oder ein kurzes Dasein können mehr bewirken als viele Erklärungen. Menschen reagieren darauf oft mit Entspannung. Die Unruhe lässt nach, der Blick wird klarer, ein Kontakt entsteht.

Dabei geht es nicht um Technik oder um festgelegte Abläufe. Validation ist eine Haltung. Sie zeigt sich darin, wie jemand zuhört, wie er spricht, wie viel Zeit er gibt. Sie entsteht aus Respekt und echtem Interesse.

Im Alltag bedeutet das auch, eigene Impulse wahrzunehmen. Den Wunsch, zu korrigieren. Den Drang, etwas zu ordnen. Und dann bewusst einen anderen Weg zu wählen. Einen Weg, der Verbindung ermöglicht.

Was wir daraus mitnehmen können

Für die Begleitung von Menschen mit Demenz entsteht daraus eine klare Orientierung. Der Mensch bleibt erreichbar. Gefühle sind da. Beziehung ist möglich.

Aktivierung bekommt in diesem Zusammenhang eine neue Qualität. Materialien, Spiele und Impulse bleiben wertvoll. Sie schaffen Anlässe, geben Struktur und öffnen Türen. Gleichzeitig entsteht das Entscheidende im Miteinander. In der Art, wie wir reagieren, wie wir hinschauen, wie wir antworten.

Ein Spiel kann ein Gespräch auslösen. Eine Karte kann eine Erinnerung berühren. Ein gemeinsamer Moment kann tragen.

Viele unserer Materialien greifen genau diese Haltung auf. Sie unterstützen dabei, in Kontakt zu kommen, Gespräche entstehen zu lassen und Begegnung zu ermöglichen

Auch Musik kann in solchen Momenten eine Brücke sein. Vertraute Lieder erreichen oft Gefühle, die über Worte kaum noch zugänglich sind. Mehr dazu findest du in unserem Artikel über das Singen bei Demenz.


Buchtipp

Wer tiefer in die Arbeit von Naomi Feil einsteigen möchte, findet in ihren Büchern einen sehr praxisnahen Zugang.

Ein gutes Grundlagenwerk ist:

Dieses Buch beschreibt die Grundlagen der Validation und gibt einen guten Einblick in die Haltung und Denkweise von Naomi Feil.

Für alle, die tiefer in die praktische Anwendung einsteigen möchten:

Hier wird deutlich, wie sich Validation im Alltag umsetzen lässt – mit vielen konkreten Beispielen aus der Praxis.

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