Einfache Beschäftigungen bei Demenz brauchen nicht immer viel Material oder eine lange Vorbereitung. Oft reichen Dinge, die bereits im Haushalt vorhanden sind: ein paar Becher, bunte Papierstücke, Wäscheklammern oder Holzstäbchen.
Wichtig ist, dass die Idee zu dem Menschen und zur jeweiligen Situation passt. Welche Tätigkeiten waren früher vertraut? Was macht heute noch Freude? Wie gut kann die Person sehen, hören und greifen? Auch die Umgebung spielt eine Rolle. An einem ruhigen Tisch und ohne laufenden Fernseher fällt es meist leichter, sich auf eine Sache einzulassen.
Legen Sie zunächst nur das Material bereit, das gebraucht wird, und erklären oder zeigen Sie den ersten Schritt. Zu viele Gegenstände und mehrere Anweisungen auf einmal können schnell unübersichtlich werden. Beobachten Sie währenddessen, ob Interesse da ist und wie lange die Konzentration anhält. Eine Idee lässt sich jederzeit vereinfachen, verändern oder beenden.
1. Farben mit der Fliegenklatsche finden
Legen Sie große Farbkarten oder farbige Papierkreise auf den Tisch. Nennen Sie eine Farbe und bitten Sie die Person, mit einer sauberen Fliegenklatsche darauf zu tippen. Statt Farben können auch gut erkennbare Bilder, Zahlen oder vertraute Begriffe verwendet werden.
Beginnen Sie mit zwei Motiven und vergrößern Sie die Auswahl nur, wenn das gut funktioniert. In einer kleinen Gruppe kann reihum gespielt werden. Dabei muss es nicht um Schnelligkeit gehen.
2. Figuren aus Holzstäbchen nachlegen
Legen Sie aus bunten Holzstäbchen eine einfache Form vor, zum Beispiel ein Dreieck, einen Stern, ein Haus oder eine Blume. Die Form kann anschließend nachgelegt werden. Verwenden Sie zunächst wenige Stäbchen und deutliche Farben.
Wenn das Nachlegen zu schwierig ist, entsteht das Bild gemeinsam: Sie beginnen mit zwei Stäbchen und die andere Person legt ein weiteres dazu. Man kann die Stäbchen auch einfach nach Farben sortieren oder in einer Reihe anordnen.
3. Federn fühlen, pusten und sortieren
Federn sind leicht, weich und in vielen Farben erhältlich. Sie können nach Farben sortiert, vorsichtig über die Hand gestrichen oder über den Tisch gepustet werden. Auch die Frage „Welche Feder ist besonders weich?“ kann ein einfacher Gesprächseinstieg sein.
Achten Sie darauf, dass die Federn sauber sind und nicht zu klein gewählt werden.
4. Bunte Papierschnipsel zuordnen
Legen Sie einige große Bögen Tonpapier in gut unterscheidbaren Farben auf den Tisch. Dazu kommen größere Papierschnipsel in denselben Farben. Nun werden die Schnipsel auf das jeweils passende Blatt gelegt.
Zwei Farben reichen für den Anfang. Wer gerne gestaltet, kann aus den sortierten Schnipseln anschließend ein einfaches Bild oder eine Collage kleben.
5. Pompons in farbige Becher sortieren
Markieren Sie Becher mit gut sichtbaren Farbkarten. Große Pompons werden anschließend passend einsortiert. Je nach Beweglichkeit können die Pompons mit der Hand, einem Löffel oder einer gut greifbaren Zange aufgenommen werden.
Auch hier gilt: lieber mit zwei Farben beginnen. Die Becher sollten sich deutlich vom Tisch abheben und standsicher sein.
6. Ein einfaches Farbmuster fortsetzen
Legen Sie mit Pompons, Deckeln oder Holzstäbchen eine kurze Reihe, zum Beispiel Rot–Gelb–Rot–Gelb. Die Person sucht das nächste passende Teil aus. Später können andere Folgen ausprobiert werden, etwa zwei blaue und ein rotes Element.
Wenn das Fortsetzen nicht passt, können Sie die Reihe gemeinsam legen oder nur gleiche Farben nebeneinander anordnen.
7. Wäscheklammern passend anbringen
Farbige Wäscheklammern lassen sich an passende Farbkarten, feste Pappe oder den Rand eines stabilen Behälters klammern. Das verbindet das Erkennen von Farben mit einer gezielten Handbewegung.
Prüfen Sie vorher, ob sich die Klammern leicht genug öffnen lassen. Bei schmerzenden Fingern oder wenig Kraft sind sehr straffe Klammern ungeeignet.
8. Deckel sortieren und Paare suchen
Saubere Schraubdeckel gibt es in verschiedenen Farben und Größen. Sie können sortiert, in Reihen gelegt oder zu Paaren zusammengestellt werden. Große Deckel sind meist leichter zu greifen.
Wer früher gern in Küche, Werkstatt oder Büro gearbeitet hat, kennt das Ordnen von Gegenständen möglicherweise aus dem Alltag. Dadurch kann die Aufgabe vertrauter wirken als ein klassisches Spiel.
9. Gemeinsam ein Bild legen
Aus Stäbchen, großen Pompons, Federn und Papierformen können Blumen, Sonnen, Häuser oder freie Muster entstehen. Legen Sie ein einfaches Motiv vor oder beginnen Sie gemeinsam.
Es ist nicht nötig, ein fertiges Bild genau nachzubauen. Manche Menschen möchten lieber Farben auswählen, Material anreichen oder einzelne Teile an die richtige Stelle legen.
10. Gegenstände in einem Fühlbeutel ertasten
Geben Sie einen gut bekannten Gegenstand in einen Stoffbeutel, zum Beispiel einen Löffel, eine Bürste, einen Schlüsselbund oder eine Wäscheklammer. Die Person ertastet den Gegenstand, ohne hineinzusehen.
Wenn das Erraten schwerfällt, geben Sie einen Hinweis oder holen Sie den Gegenstand gemeinsam heraus. Anschließend lässt sich darüber sprechen, wofür er benutzt wird oder wo er zu Hause aufbewahrt wurde.
11. Zusammengehörige Alltagsgegenstände finden
Legen Sie einige vertraute Dinge auf den Tisch, die paarweise zusammengehören: Tasse und Untertasse, Schlüssel und kleines Schloss, Kamm und Bürste oder Briefumschlag und Briefmarke. Nun werden die Paare zusammengestellt.
Wählen Sie Gegenstände aus dem Lebensalltag der Person. Für jemanden, der gern gekocht hat, eignen sich andere Dinge als für einen früheren Handwerker oder eine begeisterte Gärtnerin.
12. Einen Gegenstand unter Bechern wiederfinden
Stellen Sie zunächst zwei und später höchstens drei undurchsichtige Becher auf. Verstecken Sie einen gut sichtbaren Gegenstand unter einem Becher. Anschließend werden zwei Becher langsam vertauscht und die Person zeigt, wo der Gegenstand liegt.
Bewegen Sie die Becher gut sichtbar und nicht zu schnell. Dieses Spiel eignet sich, wenn die Person gern rät und ihre Aufmerksamkeit auf die Bewegung richten kann. Alternativ kann der Gegenstand einfach abwechselnd versteckt und gefunden werden, ohne die Becher zu verschieben.
13. Einen Rhythmus klatschen
Klatschen Sie eine sehr kurze Folge vor und wiederholen Sie sie gemeinsam. Auch leichtes Klopfen auf den Tisch oder auf die Oberschenkel ist möglich. Beginnen Sie mit einem gleichmäßigen Rhythmus und wenigen Schlägen.
Bekannte Rhythmen aus Liedern können besonders gut funktionieren. Achten Sie auf eine angenehme Lautstärke, denn plötzliches oder lautes Klatschen kann erschrecken.
14. Ein bekanntes Lied anstimmen
Beginnen Sie ein Lied, das die Person aus ihrer Jugend, der Familie, dem Beruf oder aus früheren Festen kennt. Oft sind Melodien und einzelne Textstellen noch lange vertraut. Es kann gemeinsam gesungen, gesummt oder nur zugehört werden.
Entscheidend ist die persönliche Auswahl. Ein allgemein bekanntes Volkslied muss nicht automatisch das richtige Lied für diesen Menschen sein.
15. Am Fenster gemeinsam etwas entdecken
Setzen Sie sich ans Fenster und schauen Sie gemeinsam hinaus. Was ist gerade zu sehen? Vielleicht fährt ein Auto vorbei, ein Vogel sitzt im Baum oder jemand geht mit einem Hund spazieren. Benennen Sie selbst etwas und lassen Sie Zeit für eine Reaktion.
Aus dem Beobachten kann sich ein Gespräch ergeben. Bei schönem Wetter lässt sich die Idee auf dem Balkon, im Garten oder bei einem Spaziergang aufgreifen.
Was bei der Auswahl hilft
Beschäftigung sollte sich nicht allein an der Diagnose orientieren. Persönlichkeit, frühere Gewohnheiten, Interessen, Tagesform und körperliche Möglichkeiten sind ebenso wichtig. Eine Person, die nie gern gebastelt hat, wird möglicherweise auch jetzt lieber sortieren, singen, im Haushalt helfen oder nach draußen schauen.
Hilfreich sind außerdem:
- ein ruhiger, gut beleuchteter Platz,
- wenige Materialien auf dem Tisch,
- klare Kontraste zwischen Gegenständen und Untergrund,
- eine kurze Erklärung oder ein vorgemachter erster Schritt,
- ausreichend Zeit für eine Reaktion,
- Unterstützung, ohne jeden Handgriff zu übernehmen,
- große, gut greifbare und sichere Materialien.
Kleine Gegenstände wie Pompons, Knöpfe oder Deckel dürfen nur verwendet werden, wenn ausgeschlossen werden kann, dass sie in den Mund genommen oder verschluckt werden. Auch Sehvermögen, Hörvermögen, Beweglichkeit, Schmerzen und mögliche Sturzrisiken sollten bei der Auswahl berücksichtigt werden.
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft empfiehlt, Beschäftigungen an den aktuellen Bedürfnissen, Fähigkeiten und an der Lebensgeschichte auszurichten. Auch vertraute Tätigkeiten aus dem Alltag können gut geeignet sein. Die Alzheimer’s Society betont ebenfalls, Interessen und Stärken in den Vordergrund zu stellen, nicht zu viele Wahlmöglichkeiten auf einmal anzubieten und eine Aktivität anzupassen, wenn die Aufmerksamkeit nachlässt.
Weitere kostenlose Spielideen und Materialien zum Ausdrucken finden Sie auf unserer Freebie-Seite.
Viele Materialien für einfache Beschäftigungsideen habe ich in meinem Amazon-Shop zusammengestellt. Dort finden Sie unter anderem Holzstäbchen, Pompons, Federn und weitere Dinge, die sich für unterschiedliche Ideen verwenden lassen.
Zum Amazon-Shop von Silberne Zukunft
