Spiele für Menschen mit Demenz – aus der Praxis eines Demenzbegleiters
Spiele für Menschen mit Demenz sind mehr als Zeitvertreib – sie sind Brücken zu Erinnerungen, Emotionen und Begegnung. In meiner Arbeit als Demenzbegleiter habe ich gesehen, wie ein einfaches Spiel Augen zum Leuchten bringt und Menschen wieder in Kontakt treten lässt. Die Hände greifen instinktiv nach den Karten, und plötzlich ist da dieses Lachen, das alle ansteckt.
Warum Spiele für Menschen mit Demenz so viel bewirken können
Ein Spiel aktiviert nicht nur das Gehirn. Es bringt Struktur in den Tag, holt Erinnerungen zurück und schafft Nähe. Selbst wenn Worte fehlen, können Gesten und Blicke ganze Geschichten erzählen. Ich habe erlebt, wie ein Kartenspiel Menschen, die sich zurückgezogen hatten, wieder ins Gespräch brachte. Oder wie ein gemeinsames Würfeln zu einem fröhlichen Wettbewerb wurde – ganz ohne Leistungsdruck.
Analoge Stärken – Digital als sanfte Ergänzung
Karten in der Hand zu halten, eine Spielfigur zu setzen, das Rascheln der Karten zu hören – all das spricht Sinne an, die bei digitaler Unterhaltung oft zu kurz kommen. Analoge Spiele sind flexibel: Regeln können angepasst werden, Pausen sind jederzeit möglich, und man ist nicht von Technik abhängig. Gleichzeitig können sanft eingesetzte digitale Spiele – etwa ein Bilder-Puzzle oder ein Liederraten auf dem Tablet – neue Reize setzen, solange sie leicht zu bedienen sind und kein Stress entsteht.
Emotionen als Motor
Bei Demenz bleiben Emotionen oft länger erhalten als das Erinnerungsvermögen. Das bedeutet: Ein vertrautes Spiel oder ein bekanntes Lied kann tief berühren. Ich erinnere mich an eine Dame, die während eines Liederquiz plötzlich jede Strophe eines alten Volksliedes mitsang – und dabei strahlte, als wäre sie wieder jung. Diese Momente sind es, die zeigen, wie stark Spielen wirken kann.
Woran man gute Spiele erkennt
In der Praxis haben sich Spiele bewährt, die einfach zu verstehen sind und schnell Erfolgserlebnisse bieten. Wichtig sind große, gut erkennbare Symbole, eine klare Struktur und kurze Runden. Und vor allem: die Möglichkeit, spontan auf die Person einzugehen. Manchmal geht es gar nicht darum, das Spiel zu Ende zu bringen – sondern gemeinsam Spaß am Tun zu haben.
Spielideen aus meiner Erfahrung
Karten- und Brettspiele
Ein farbenfrohes Quartett mit vertrauten Motiven kann ein wunderbarer Gesprächsanlass sein. Domino mit Bildern statt Punkten eignet sich gut, um Erfolgserlebnisse zu schaffen. Und ein vereinfachtes Mensch ärgere dich nicht, vielleicht in kooperativer Form, fördert das Miteinander ohne Druck.
Bewegung und Musik
Leichte Bewegungsspiele – wie das Werfen von Tüchern oder Bällen – lockern auf und bringen Schwung in die Runde. Musikspiele, bei denen bekannte Lieder erkannt und mitgesungen werden, öffnen oft Türen zu tiefen Erinnerungen.
Druckvorlagen und Bücher
Memo-Karten mit Bildern aus der eigenen Familie oder Region schaffen Nähe. Großdruck-Rätsel und Ausmalbilder fördern Konzentration und Kreativität. Biografie-Karten regen zu Gesprächen über das eigene Leben an – auch bei Menschen, die sonst wenig erzählen.
So wird Spielen zum Teil des Alltags
Ich empfehle, feste Spielzeiten zu schaffen, ohne starr zu werden. Das Spielmaterial sollte griffbereit sein, damit ein Impuls – ein Blick, ein Lächeln – sofort aufgegriffen werden kann. So entstehen spontane, wertvolle Momente.
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Downloads & Bücher als Unterstützung
Ausdruckbare Vorlagen sind praktisch, weil sie sofort einsatzbereit sind und individuell angepasst werden können. Bücher mit erprobten Spielideen bieten Inspiration, wenn einem selbst gerade nichts einfällt, und geben Sicherheit in der Auswahl.
Fazit aus der Praxis
Spiele für Menschen mit Demenz sind Begegnung, Aktivierung und Freude in einem. Es ist die Gelegenheit, den Menschen hinter der Diagnose zu sehen und gemeinsam Augenblicke zu schaffen, die in Erinnerung bleiben – auch wenn das Gedächtnis nachlässt. Ob mit Karten in der Hand oder einer leichten digitalen Ergänzung: Wichtig ist, dass wir dabei gemeinsam lachen, staunen und uns verbunden fühlen.
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